Das ist mein kleiner roter Poliblog alias mein politisches Tagebuch in dem ich, Henning, mich über aktuelle und nicht mehr so aktuelle Politik auslasse.
Solidaritätsdemo für das Asylbewerberheim in Güstrow
Heute sind in Güstrow bis zu 500 Menschen zusammengekommen um sich mit den Asylbewerber*innen dort zu solidarisieren. Seit mehreren Monaten schon sehen sich diese rassistischen Hetzen einer "Bürgerinitiative" ausgesetzt, die mit Mahnwachen und Fackelzügen (Ja! Fackelzüge mit allem drum und dran!) gegen diese von Kriegen und Diskriminierungen vertrieben und oft schwer traumatisierten Menschen Stimmung macht. Hinter dieser Bürgerinitiative stehen bekannte NPD-Kader und seit ihrer Präsens sind Übergriffe auf Asylbewerber*innen immer häufiger vorgekommen. Nun will die Stadtverwaltung das Asylheim aus der Stadt in einen nahe gelegenen Wald zu verlegen, das wollten sich mehrere regionale Bündnisse nicht bieten lassen und haben zur Demo aufgerufen. Und das beste die von der ROGIDA (Rostocker Gegen Die Islamisierung Des ABENDLANDES) veranstaltete Gegendemo zählte nur 70 Mitglieder und kann deswegen nur als Fail und als klares Zeichen der Güstrower für die Flüchtlinge gesehen werden.
Wie bereits angekündigt schreib ich jetzt etwas über den Dokumentarfilm "Land in Sicht" von Judith Keil und Antje Kruska. Ich fand "Land in Sicht" in der Hinsicht gelungen, dass er den Zuschauer nicht mit harten Fakten konfrontiert oder bedeutende geschichtliche Ereignisse bis ins letzte Detail austritt, sondern den Fokuss auf das Leben von den drei Asylbewerbern Abdul, Brian und Farid eingeht. Der Film schafft es den Zuschauer Emotionen, positive wie negative, heraus zu locken und macht klar "Das sind Menschen wie du und ich!". Im Film verfolgen wir die drei Protagonisten durch ihr Leben in Deutschland, erfahren von ihrer Geschichte, ihren Wünschen, Träumen und ihren Ängsten. Wir sehen die Probleme der drei und können sie verstehen, obwohl sie so unterschiedlich sind: Abdul möchte heiraten und arbeiten gehen, scheitert aber an der sprachlichen Barriere; Brian will unbedingt Asyl in Deutschland bekommen und seine Familie in Kamerun aushalten, ohne sich selbst zu verlieren und Farid möchte endlich wieder mit seiner Frau und seinem Sohn zusammen sein und nicht mehr um ihr Leben fürchten.
Bürokratie, Sprache, Kultur und Religion sind Themen die für viele Deutsche eher nicht zum Problem werden (es sei den du willst irgendwas beantragen, dann ist die Kacke am dampfen), für die Protagonisten, werden sie aber auf unterschiedliche Weise zum Problem, das sich für manche als unüberwindbar erweist.
Der Film zeigt sehr gut wie das verkorkste System des Asylverfahrens in Deutschland viele Asylbewerber*innen an ihre Grenzen, emotional wie körperlich, bringt und einen Sozialfall nach dem anderen produziert und manche in den Wahnsinn und schließlich in den Selbstmord treibt. Und vor allen dingen ist es dieser Prozess den viele Deutsche nicht verstehen und deshalb genau falsch reagieren. Vorurteile sind nicht aus der Luft gegriffene Behauptungen, sondern verallgemeinerte falsch interpretierte Beobachtungen aus weiter Ferne. Wenn Mensch daran etwas ändern könnte, würde sich die Situation vieler Asylbewerber*innen merklich bessern.
Fazit: Wer sich für dieses Thema interessiert muss diesen Film gucken. Spannend, emotional fesselnd und perfekt eingesetzte Mittel. Obwohl wir manchmal nur die Gesichter sehen und nur die Musik hören, weiß Mensch eigentlich die ganze Zeit was der Charakter gerade denkt.